Proveis-Ultentaler Huhn


 Das Proveis-Ultentaler-Huhn, 
ist im gesamten Alpenraum
einzigartig, weil es nicht
wie andere alpine Rassen,
in die "Farbschablonen"
des modernen Ausstellungswesens
gepresst wurde. Es durfte sich
eine gewisse Variablität bewahren
und verkörpert somit
den naturbelassenen Hühnertypus
alter Tage besonders treffend.
Dem Erhalt dieses
Bergbauern-Kleinods
habe ich mich daher
inzwischen auch persönlich
voll und ganz verschrieben.

Monica Brunelli-Thaler
gilt als die Retterin des
Proveis-Ultentaler-Huhns.
Hier durfte ich mir
ihren Zuchthahn "Sepperle"
näher anschauen.


*
Rassemerkmale der
Proveis-Ultentaler

Weil Proveis-Ultentaler-Hühner keine
Rasse sind, die für Ausstellungen
gezüchtet wurde und hoffentlich auch
nie zu einer "Show-Rasse" umgeformt werden,
haben sie keinen Rassestandard im
herkömmlichen Sinn. Dennoch ist es
möglich die Rassemerkmale grob zu
definieren und eine Linie vorzugeben,
anhand der künftige Erhaltungszüchter
sich bei der Selektion orientieren
können, wenn sie die Zuchttiere
auswählen. Nachfolgend daher die
Voraussetzungen welche 
Proveis-Ultentaler-Hühner
erfüllen müssen, wenn sie für die
Weiterzucht zum Einsatz kommen sollen:

GEWICHT:
Henne: 1,75 bis 2,5 kg
Hahn: 2 bis 3kg

LAUFFARBE:
Hellgrau bis Schieferblau in
verschiedenen Abstufungen
NIEMALS GELB!

KAMMFORM:
mittelgroßer bis großer Einfachkamm,
legt sich bei ca. 75% aller
Hennen zur Seite (Schlotterkamm),
M-Zacken werden toleriert

AUGENFARBE:
Überwiegend Orange, den
Farbschlägen entsprechend
aber auch andere Augenfarben

OHRSCHEIBEN:
Da die Hennen helle Eier
legen, sind die Ohrscheiben Weiß

EIER:
45 bis 55 Gramm
weiße bis hell cremefarbene Schale

GEFIEDERFARBEN:
Alle erdenklichen Abstufungen
der Wildfarbe zwischen gold-weizenfarbig
bis dunkelbraun kommen vor, wobei
diese sowohl mit weißer
"Mottled"-Scheckung, als auch
ohne diese Zusatzgenetik
auftreten können. Dadurch ergeben
sich verschiedene Farbvarianten, die
zuweilen mit standardisierten Farbschlägen
aus der Rassezucht vergleichbar sind, wie
beispielsweise: "Gelbbunt", "Rotbunt",
"Porzellanfarbig", "Rebhuhnfarbig", "Weizenfarbig",
"Wildbraun", "Goldhalsig", "Rost-Rebhuhnfarbig",
"Zimtfarbig" und "Orangehalsig"

BEFIEDERUNG UND FORM:
Proveis-Ultentaler entsprechen in der
Form einem eleganten Landhuhn
mit deutlichem Mittelmeer-Einschlag.
Das Schwanzgefieder der Hähne soll
stark ausgeprägt entwickelt sein, mit
zwei überdurchschnittlich langen
Hauptsicheln. Auch die Hennen
 tragen vergleichsweise stark ausgeprägte
Stoßfedern, die meist schön
"aufgefächert" getragen werden und
die Tiere größer wirken lassen,
als sie es tatsächlich sind.

WESEN UND VERHALTEN:
Unabhängig von optischen Merkmalen
sind Proveis-Ultentaler typischerweise
sehr lebhafte, aufgeweckte Hühner,
mit halbdomestiziertem, zwar neugierigem
aber doch skeptischem Verhalten
dem Halter gegenüber. Sie sind
bei ausreichend Freilauf
selbstständige und ausdauernde
Futtersucher und unempfindlich
gegenüber rauem Klima. Es versteht
sich daher von Selbst, dass Erhaltungszüchter
auch auf diese Eigenschaften
achten müssen, die stets bestehen
bleiben sollen, da sie
letztlich den großen Wert dieser
alten Landrasse ausmachen!

*


Geschichtliches zum
Proveis-Ultentaler Huhn

"Proveis-Ultentaler", das sind
robuste Bergbauernhühner,
die einst durch
die regen Handelsbeziehungen
zwischen Mittelitalien und Südtirol
entstanden sind.
Noch im 19. Jahrundert, hielten
die Bergbauern Südtirols
ähnlich bunte Landhühner, wie man
sie zu der Zeit auch in allen
anderen Regionen Mitteleuropas
vorwiegend antraf.
Mit dem Ende des
19. Jahrhunderts kam es dann
allerdings immer mehr in Mode,
sich legefreudigere
Hennen aus Italien zu kaufen,
bei denen es sich um Landhühner
im Mittelmeertyp
gehandelt haben dürfte.
Solche Hennen konnten die
Südtiroler Bauern beispielsweise
auf dem berühmten
Mühlbacher Markt erwerben.
Man kaufte solche Hennen und
gab sie einfach zu den
alteingesessenen Beständen dazu.
So wurden die ursprünglichen
Gebirgs-Hühnertypen,
sachte aber doch systematisch,
von den italienischen Hühnern veredelt.
Im Ultental, sowie im Dörfchen Proveis
und dessen Nachbargemeinden,
entstand durch diese Veredelungszucht,
im Laufe des 20. Jahrunderts
ein völlig neuer Hühnertypus,
den wir heute als
"Proveis-Ultentaler-Huhn" bezeichnen.


In der italienischen
Provinz Vicenza, die im Norden
an Südtirol grenzt, wird bis
heute die Hühnerrasse
La Gallina "Millefiori di lonigo"
gezüchtet, bei der es sich um einen
stets porzellanfarbigen,
bzw. gescheckten Abkömmling
des ursprünglichen italienischen
Landhuhns handelt. Es ist
anzunehmen, dass die
"Proveis-Ultentaler" und
die "Millefiori di lonigo" auf
die gleichen Vorfahren zurückgehen.
Ansich kommt die weiße
Mottled-Scheckung aber
auch bei den Begbauern-Hühnern
Tirols schon seit langer
Zeit vor.


Warum Proveis-Ultentaler
keine "Rebhuhnfarbigen
Italiener" sind:

Proveis-Ultentaler-Hühner werden
  von Hühnerleuten, die sie zum ersten
mal sehen, meist sogleich mit
Rebhuhnfarbigen Italienern verglichen,
was dem eleganten Landhuhn-Typus
und den häufig vorkommenden
Wildfarben geschuldet ist.
Abgesehen davon, dass es zahlreiche
Unterschiede zwischen den beiden Rassen
gibt, sind die "Rebhuhnfarbigen Italiener",
so wie wir sie heute kennen,
jedoch gewiss nicht die direkten Vorfahren
der Proveis-Ultentaler-Hühner.
Auch die Rebhuhnfarbigen Italiener
wurden in ihrer modernen,
extrem auf Legeleistung und
optische Perfektion hin selektierten
Form, erst aus ursprünglichen
italienischen Landhühnern herausgezüchtet,
und das auch nicht in Italien
sondern in anderen europäischen
Ländern, sowie den USA.
In den USA wurde aus einer weißen
Variante der Italiener,
sogar das berühmte weiße
Leghorn-Huhn entwickelt
(Leghorn ist englisch für
die italienische
Hafenstadt Livorno).
FAZIT:
Proveis-Ultentaler und  Italiener-Hühner
teilen sich bestenfalls einen Teil
ihrer Vorfahren, aber keine
der beiden Rassen
stammt von der jeweils anderen ab.


Proveis-Ultentaler und
Italiener im
direkten Vergleich
*

Viele Hähne der Rasse
Proveis-Ultentaler
haben auffallend lange
Sichelfedern. Früher brauchte
man diese langen Federn
im Brauchtum als Hutschmuck,
weshalb die Bauern für
die Weiterzucht bewusst
Gockel behielten, die
lange Schwanzfedern ausbildeten.
Niemand hätte einen
schlicht gefärbten Hahn mit
kompaktem Schwanzgefieder
gewollt. Man war stolz
auf einen bunten
"Kinderbuch-Gockel" und
gewissermaßen wurde so
auch eine Selektion auf
bestimmte Farben betrieben,
denn hauptsächlich sind es
die diversen Abwandlungen
der Wildfarbe, welche die
buntesten Hähne hervorbringen.


Diese Henne mit fleischfarbenen Beinen,
hat zwar keine ideale Lauffarbe, 
da
sie jedoch sehr schön gelbbunt
ist, kommt sie dennoch für die Weiterzucht
in Frage. Sie kann rassetypische
Nachkommen haben mit einem guten Hahn.
Anders verhält es sich
bei Exemplaren mit gelben Läufen.
Gelbpigment ist schwierig in
der Weiterzucht, weil es oft
vom dunklen Pigment überlagert
wird und dann zu olivgrünen
Läufen führt.
*

"Grau" ist die typische Lauffarbe
für ein klassisches Proveis-Ultentaler Huhn.
Die Henne ist wildfarbig, kann aber
dennoch verdeckt die Anlage
für die Mottled-Scheckung tragen
und vererben, da diese
sich genetisch betrachtet
rezzesiv verhält.
*

Die variabel, aus Brauntönen
zusammengesetzte Wildfarbe,
sorgt stets dafür, dass Proveis-
Ultentaler-Hennen sehr gut
getarnt sind, besonders bei der
Futtersuche unter Gehölzen.
*


Diese gelbbunte Proveis-Ultentaler-Henne
ist nur ein Beispiel für die
große Vielfalt an Farbschattierungen
beim Proveis-Ultentaler Huhn.
Genetisch betrachtet,
ist sie weizenfarbig
mit "Mottled-Scheckung".
Sie hat sehr helle Augen, während
die Iris der meisten
Proveis-Ultentaler-Hühner
orange gefärbt ist.
*

Gold-Weizenfarbiges Proveis-Ultentaler Huhn
*

Der typische Proveis-Ultentaler-Hahn
 entspricht voll und ganz
 dem klassischen bunten
"Bauernhof-Gockel"  aus alten Tagen,
der häufig kräht und stolz
und aufmerksam auf dem Hühnerhof
"herumspaziert". Wie die Hennen können
auch die Hähne farblich stark variieren, dürfen
jedoch niemals "unbunt" bzw. einfarbig sein.

Mein Zuchthahn "Legolas"
*

Farblich entspricht diese
Proveis-Ultentaler-Henne exakt dem
wilden Bankivahuhn, sogar die Farbe der Augen
ist stimmig. Solche Einzeltiere zeigen, wie
naturnah und züchterisch
"unentstellt" Landhühner
selbst heute noch sein können.
Echte Wildhühner wären jedoch
deutlich kleiner und hätten
beispielsweise niemals
eine großen Schlotterkamm.

*

Proveis-Ultentaler-Eier sind immer
ganz hell entweder weiß
oder cremefarben ausgefärbt.
Das sieht man auch an den
weißen Ohrenscheiben der Tiere.
*

Kamm und Kehllappen werden beim
Hahn sehr groß und sind
im Winter die einzige Schwachstelle
wenn es starke Minusgrade
im Stall hat. Es empfiehlt sich
die Kämme dann einzufetten
um Frostschäden zu vermeiden.
*


Proveis-Ultentaler-Hennen haben
perfekte Mutterinstinkte und
sind gute Glucken. Das ist einer
der größten Unterschiede zu
den Rebhuhnfarbigen Italienern, die
nicht mehr selbstständig brüten.
*

Schon die Küken, zeigen bei
den Proveis-Ultentalern eine gewisse
Farbenvielfalt, wobei sie zu
ca. 90 Prozent ein gestreiftes Tarnkleid
haben. Dieses Streifenmuster
haben auch die Küken von
Wildhühnern und es bezeugt,
dass es sich bei den Grundfarben der
Rasse immer um Abwandlungen
der Wildfarbe handelt.
Küken ohne Streifen (Mitte) sind
fast immer weizenfarbig
oder gelbbunt und
dunkeln erst später nach.
*

Proveis-Ultentaler-Küken
(hier in der 2. Lebenswoche)
entwickeln, ählich wie der
Wildhuhn-Nachwuchs, zuerst
Federn an den Flügeln, so dass
sie bei Gefahr "wegflattern"
oder "aufbaumen" können.
*

Dieses Proveis-Ultentaler-Küken
wird klassisch wildfarbig, denn es hat die
exakte Tarnzeichnung eines
Bankiva-Kükens.


*
KONTAKT ZU ZÜCHTERN:

Nachfolgend, finden Sie Züchter
und Kontaktpersonen rund
um das Proveis-Ultentaler-Huhn
von mir aufgelistet.
Beachten Sie bitte stets,
dass Züchter nicht dazu
verpflichtet sind Zuchttiere,
oder Bruteier an Sie abzugeben.
Insbesondere dann nicht, wenn Sie
keinen Beitrag zur Erhaltungszucht
leisten wollen. Jeder Züchter hat
das Recht selbstständig
zu entscheiden, an wehn er
Tiere oder Bruteier abgiebt
und solche Entscheidungen müssen
im Falle von abgewiesenen Anfragen
auf jeden Fall respektiert werden!

*


Monica Brunelli-Thaler
Monica lebt in Proveis, dem
Südtiroler Dorf, das der
Rasse ihren Namen gab.
Sie ist mehr als nur
eine Züchterin, denn sie ist
insbesondere auch die Retterin
des Proveis-Ultentaler-Huhns.
Sie hat die Erhaltungszucht
der Rasse anfangs im Alleingang
in die Hand genommen und
bis heute den größten
und wertvollsten Bestand
des Proveis-Ultentaler-Huhns,
mit mehreren Linien und
allen Farbvarianten die
für die Rasse belegt sind.
E-Mail Kontakt:
mokkabru(at)live.it

*

Christian Schneider
Im Rahmen eines Projektes
der Lebenshilfe-Werkstätte Reutte,
züchtet Christian, in
Zusammenarbeit mit
Menschen mit Behinderung,
verschiedene gefährdete Rassen.
Im Jahr 2018 gelang
es mir, ihn auch für die
Proveis-Ultentaler-Hühner
zu begeistern und
so gründete er promt den
ersten Zuchtstamm
Nordtirols, der seither
stetig größer wird
und einige herausragend
schöne Hennen beinhaltet.
E-Mail Kontakt:
c.schneider(at)lebenshilfe.tirol

*

Robert Höck
Mein eigener Zuchtstamm des
Proveis-Ultentaler-Huhns
ist aktuell noch klein
und im Aufbau begriffen.
Ich konnte 2019 gesunde
Küken mit Hilfe einer Glucke
natürlich aufziehen, welche
aus
verschiedenen Linien von
Monica Brunelli-Thaler stammen
.
Davon habe ich mir den
besten Hahn und die drei
schönsten Hennen
als Zuchttiere behalten.
Anfang 2020 wurde die
Zuchtgruppe dann um
eine gescheckte Henne
direkt aus Südtirol erweitert.
Mein Hahn ist sehr dunkel mit
viel Kupfer und Schwarz und
graue Lauffarbe ist bei
ihm auffallend gut ausgeprägt
E-Mail Kontakt:
happyhuhn(at)gmx.at


Mein Zuchthahn "Legolas mit seiner
Lieblingshenne "Camilla".

Meine gescheckte Zuchthenne
namens "Hilda", stammt direkt
aus Proveis.


Meine Hennen "Rosie", "Goldi"
und "Camilla" zeigen Wildfarben
in unterschiedlichen Helligkeitsgraden.

Proveis-Ultentaler Huhn "Camilla"
ist "dunkel-wildbraun" mit
viel Schwarzpigment.