Isländische Landnahmehühner


Geschichtliches zum
Isländischen Landnahmehuhn

"Landnahmehuhn" das klingt eher
befremdlich, wenn man diese
Bezeichnung zum ersten mal
hört. Doch der Name ist
tatsächlich Programm denn
er spielt darauf an,
dass diese Hühner schon
seit der ersten "Landnahme"
also der Gründerzeit der ersten
Wickingersiedlungen, auf Island existieren.
Die Vorfahren der Landnahmehühner
leben also schon seit über
1000 Jahren auf Island und
dürfen heute als
die variantenreichste
und am wenigsten
einheitlich auftretende Landrasse
Europas gelten.

Sonderform Kamm - Beim Isländischen Landnahmehuhn
Diese Henne zeigt eine
ungewöhnliche Kammform,
die in der Rassezucht als
"undefinierbar" eingestuft werden
würde. Der Kamm ist vorne zweispurig,
wie ein Kronenkamm, jedoch
ansonsten ein klassischer
Einfachkamm. Solche
Sonderformen kommen bei
den Isländischen Landnahmehühner
immer wieder vor und
sind kein Ausschlusskriterium
aus der Zucht.


Ein Isländischer Landnahmehahn,
dessen Gefieder Ansätze
zu Tupfung, Säumung und
Gipfelzeichnung gleichzeitig
zu zeigen scheint.
So wie die Beschaffenheit
der Kämme beim Landnahmehuhn
viel Spielraum offen lässt,
findet sich auch in Punkto
Gefiederfärbung und Federzeichnung
eine große Bandbreite an
Varianten und Musterungen.
Viele Spielformen sind dabei
nur schwer irgendwelchen
bekannten "Farbschablonen"
die bei Rassehühnern
üblich sind, zuzuordnen.
Glücklicherweise ist es
beim Landnahmehuhn auch nicht
notwendig Farbgebungen
wissenschaftlich einzuordnen,
denn erlaubt ist, was innerhalb
der Population zustande kommt.

Hauben und Schöpfe
Federhauben und Schöpfe
kommen beim Isländischen
Landnahmehuhn in allerlei
verschiedenen Ausprägungen vor.
Am häufigsten sind sie
in etwa so beschaffen, wie
bei der Henne auf dem
obigen Bild. Wie bei anderen
Landrassen mit Schopfbildung,
z.B. dem Schwedischen Blumenhuhn,
empfiehlt es sich auch hier,
nur Tiere für die Weiterzucht
zu verwenden, bei denen das
Sichtfeld einigermaßen frei
bleibt. Schließlich hätten
"blinde Hühner" früher auch
auf Island nicht lange überlebt
und sind gewiss nicht im
Sinne des Tierwohls.


Was tun mit neuen
Farbvarianten beim
Isländischen Landnahmehuhn?

Auch neue Mutationen, bzw. Farbvarianten,
die bisher nicht für die
"Isländer" dokumentiert sind, müssen
aus der Zucht nicht
ausgeschlossen werden. Während
der gesamten Zuchtgeschichte
dürfte das Landnahmehuhn
stets neue Mutationen hervorgebracht
haben, während alte wieder
verschwanden. Es gab da eine
gewisse Dynamik. So dürfte sich
das Gesicht der Rasse im Laufe
der Jahrhunderte stets gewandelt
haben und die Hühner sahen bestimmt
nicht in allen Regionen
Islands gleich aus.
Vor dem Aufkommen moderner
Legerassen, gab es zahlreiche lokale
Schläge vom Landnahmehuhn.
Auch dürfte es während der
gesamten Zuchtgeschichte
in unregelmäßigen
Abständen zu Neuimporten
von Hühnern aus Skandinavien
oder von den britischen Inseln
gekommen sein. Die Neuankömmlinge
brachten dann auch jedes mal
wieder neue Gene mit
ins "Vermischdichspiel".

Isländischer Landnahmehahn mit fleischfarbenen Läufen
Immer wieder wird den Isländischen
Landnahmehühnern eine nahe
Verwandtschaft zu den
Schwedischen Blumenhühnern
attestiert, weil es auch bei
den Landnahmehühnern häufig
weißgescheckte Varianten gibt.
Der Landnahmehahn auf dem
obigen Foto, könnte auf den
ersten Blick tatsächlich
als Blumenhahn durchgehen, verrät
uns aber durch seine fleischfarbenen
Läufe, dass er ein ebensolcher
gewiss nicht ist.
(Blumenhähne hätten gelbe Läufe)
Isländische Landnahmehühner
können im Grunde genommen alle
möglichen Lauffarben des
Haushuhns haben. Auf dem
unteren Bild hat
die Glucke zum Beispiel
gräuliche Läufe, während sie
bei den Küken
eindeutig gelb werden.


Das Isländische Landnahmehuhn
ist unter Liebhabern
auch für seine tollen
Mutterinstinkte berühmt.
Die Küken dürfen als
außerordentlich robust
und widerstandsfähig gelten.


Ein Hahnenküken vom
Isländische Landnahmehuhn
im Alter von ca. 3 Wochen.


Etwas zum Nachdenken,
über die Zuchtgeschichte des
Isländischen Landnahmehuhns

Oft bekommt man zu lesen,
dass das Isländische Landnahmehuhn
direkt vom Schwedischen Blumenhuhn
abstammen würde, weil die Wikinger
einst ja mit schwedischen Hühnern
Richtung Island segelten
und außerdem beide
Rassen in weiß-gescheckten
Farbkombinationen auftreten.
Das kann man so jedoch wirklich
nicht sagen, wie ich finde.
Gewiss gehen die Landnahmehühner
auf mehr als nur eine Gründerpopulation
zurück und ihre Vorfahren,
müssen auch nicht zwangsläufig
alle vom selben Ort stammen.
Seit wann das Isländische
Landhuhn tatsächlich von
anderen Hühner-Populationen
Europas isoliert gezüchtet
wird (und ob es überhaupt
jemals so war) ist nicht bekannt.
Tatsächlich sollte man das
Isländische Landnahmehuhn weniger
als Rasse als vielmehr als
"Schlag" verstehen, da es wirklich
extrem heterogen ist.
Bei anderen isländischen Nutztieren
wurde die Beeinflussung
durch ausländische Rassen
zum Teil gesetzlich verhindert.
So sind etwa Islandpferde
durch solche Schutzmaßnahmen
seit 1909 auf Island die
einzigen Pferde die erlaubt sind.
Bei den Hühnern
gab es solche Bemühungen nicht
und so kann man
davon ausgehen, dass
die Population der
Landnahmehühner, während ihrer
gesamten Zuchtgeschichte immer
wieder den Einflüssen
von neu importierten
Tieren ausgesetzt war,
sei es nun, dass es sich dabei um
skandinavische, schottische oder
irische Landhühner gehandelt hat.
Die isländische Variante des
Blumenhuhns sind sie
jedenfalls definitiv nicht, den
weiß-gescheckte Hühner
sind für fast alle Länder
Europas, seit vielen Jahrhunderten
durch Gemälde belegt und
die Genetik für diese
(Mottled) Scheckung könnte
daher praktisch von
überall herkommen.