Europas Landrassen

Was ich beim Huhn unter
einer Landrasse verstehe:

  Echte, europäische Landrassen, sind
nicht zu verwechseln mit
durchgezüchteten Ausstellungsrassen
im Landhuhn-Typus, wie
beispielsweise Vorwerkhühnern,
Rebhuhnfarbigen Italienern,
oder Ostfriesische Möwen.
Die echten Landrassen sind die
direkten Nachfahren des alten europäischen
Landhuhnes und sie wurden zu
keiner Zeit für Ausstellungszwecke
"optimiert" oder gar
auf einheitliche Farbschläge
hin selektiert. Vielmehr konnten sie sich
bis heute eine gewisse Variablität
bewahren, sowohl farblich, als auch was
ihr Gewicht und zum Teil auch ihre
Kammformen anbelangt.

Landhühner im 19. Jahrundert, gemalt von Carl Jutz
Warum echte Landrassen
heute so selten sind:

Noch im 19. Jahrhundert waren die
Hühnerpopulationen auf den europäischen
Hühnerhöfen, in der Regel
bunt und vielfältig.
Es gab zwar lokale Schläge, aber kaum
so etwas wie durchgezüchtete Rassen,
weil die Ausstellungszucht und das
ist eine Tatsache, damals eher etwas für
privilgierte Menschen war und
nicht unbedingt für
den einfachen Mann/die einfache Frau.
Variable Landhühner waren zu der Zeit
also die zahlenmäßig
wichtigste Gruppe in der Hühnerwelt.
Drastisch ändern, sollte sich das jedoch
im Laufe des 20. Jahrhunderts, als
die ersten Hybrid-Hühner (Turbo-Legehennen)
erschaffen wurden.
Die Ausstellungszüchter züchteten zwar
weiterhin ihre Showrassen,
aber auf den landwirtschaftlichen
Hühnerhöfen, gab es spätestens seit
den 1970er-Jahren fast nur noch
die Legehybriden. Für die alten Landrassen
interessierten sich fortan
also weder die Rassezüchter,
noch die Bauern und so verschwanden sie
flächendeckend aus fast allen
mittel- und nordeuropäischen Ländern.
Übriggeblieben waren bis zu Beginn
des 21. Jahrhunderts nur noch klägliche
Restbestände, von denen manche
zu diesem Zeitpunkt offiziell noch
nicht einmal bekannt waren.

Was von den alten Landrassen
übrig geblieben ist:
Als "übrig gebliebene Reliktpopulationen"
des europäischen Landhuhns, dürfen die
Proveis-Ultentaler-Hühner aus Norditalien,
die Schwedischen Blumenhühner aus Schonen,
die Steinpiperl aus Österreich,
die Isländischen Landnahmehühner von Island,
die "Flor d'Ametler"-Hühner aus Spanien
und die "Ölandsk dvärghöna", von der
schwedischen Insel Öland gelten.
Und eben genau diese Landrassen sind es,
die mir persönlich, als Mensch der
sein halbes Leben den Hühnern widmet,
  am meisten am Herzen liegen.
Auf dieser Website wird jede
einzelne Landrasse im Laufe
der Zeit ihre eigene Seite
mit umfangreichen Informationen
zu Zucht und Geschichte bekommen.
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Übersicht der echten Landrassen:
Flor d' Ametler Hühner stammen aus Katalonien, eienr Provinz in Spanien.
Das "Flor d'Ametler"-Huhn stammt
aus Katalonien, einer Region
im Nordosten Spaniens, und ist dort
seit Jahrhunderten als
geschecktes Zwerghuhn bekannt.
Es ist dem Steinpiperl
insgesamt verblüffend  ähnlich,
kommt jedoch anders als dieses,
ausschließlich in gescheckten
Varianten vor.
Mehr Infos zu den im deutssprachigen
Raum kaumbekannten
Flor d'ametler-Hühner gibt es HIER.
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Im Proveis-Ultentaler-Huhn, vereinen sich gleich zwei ursprüngliche
europäische Landhuhn-Populationen miteinander zu einer Rasse, denn sie
stammen zum einen von den robusten Bergbauern-Hühnern
Südtirols ab und zum anderen von italienische
Landhühnern im Typus der Mittelmeer-Rassen.
Beide Ausgangs-Populationen sind im Laufe des 20. Jahrhunderts
erloschen, so dass die Proveis-Ultentaler-Hühner gleich ein doppelt
wertvolles Kulturgut darstellen. Die ganze spannende Geschichte
zur Rasse gibt es HIER.
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Steinpiperl - bunte Zwerghühner aus Österreich
Ausführliche Infos zur Rasse gibt es HIER
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Schwedische Blumenhühner sind auch als "Skånsk blommehöna" nach
ihrem schwedischens Rassenamen bekannt und haben inzwischen
zahlreiche Fans auf der ganzen Welt.  Gewiss ist das in
erster Linie ihrer Schönheit geschuldet, denn wie die
Bezeichnungen "Blumenhuhn", "blommehöna" und "flower hen"
schon andeuten, sind diese Hühner stets weiß getupft, bzw. gescheckt
mit ansonsten sehr variabler Grundfarbe.
 HIER gibts mehr Infos zu den skandinavischen Schönheiten.
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Isländisches Landnahmehuhn - Icelandic chicken
Das Isländische Landnahmehuhn, international auch
"Icelandic chicken" genannt, ist von allen europäischen Landrassen,
vermutlich jene mit der größten phänotypischen Variablität. Die Tiere
können nicht nur mit den unterschiedlichsten Kammformen und Gefiederfarben
in Erscheinung treten, sondern sind auch in ihrer Größe
und im gesamten Körperbau nicht sehr einheitlich.
Wie bei den anderen europäischen Landrassen, sind auch beim Landnahmehuhn
viele Tiere Träger der Mottled-Genetik und damit weiß-gescheckt.
Die Henne auf dem Foto hat einen Einfachkamm, viele "Isländer"
tragen aber auch Kronenkämme, Hörnerkämme, Federschöpfe oder undefinierbare
Mischformen davon als Kopfschmuck.
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